Es ist Freitagmorgen. Als allererstes steht heute eine professionelle Zahnreinigung auf dem Programm. “Das ist wichtig!”, sagt der Arzt. “Um Parodontose vorzubeugen.” Prinzipiell ist es eher eine unangenehme Sache, das mit dem Ultraschall und dem Zahnstein, aber der Rest geht. Ich bin ganz glücklich soweit, denn ich tue ja etwas für mich und meine Gesundheit.“So, ich schau mir das Ganze noch eimal an, dann haben wir auch die Kontrolluntersuchung und Sie brauchen erst in einem halben Jahr wieder vorbeizukommen – oh, was ist das denn? Der Weisheitszahn ist stark kariös. Wollen wir einen Termin machen, um ihn rauszuholen?” Mir gehen Bilder durch den Kopf: Zertrümmern, Meißeln, Graben, Buddeln, das ganze Programm. Besser jetzt, als irgendwann, denke ich: “Machen wir sofort, ich hab’ meine Zeit auch nicht gestohlen!” Der Arzt gibt mir eine Spritze, wir warten. Dann nach fünf Minuten geht alles ganz schnell und unkomplizierter, als ich dachte. Zack. Das Ding ist raus. “Sie dürfen heute keinen Kaffee mehr trinken!” Der spinnt wohl. Entweder bekomme ich Kopfschmerzen vom Koffeinentzug oder vom Pochen der Wunde. Ja, ja. Denke ich. Ich gehe ins Büro, bin positiv, glücklich, dass alles so reibungslos geklappt hat.
Der weitere Tag verläuft gut. Abends dann fühle ich ein leichtes Kratzen im Hals. Ich denke mir aber nix dabei. Alle zwei bis drei Wochen eine leichte Infektion ist normal wenn man Kinder zwischen 2 und 4 Jahren hat. In der Nacht dann ein erstes unkontrolliertes Erbrechen des Jüngsten. Dummerweise können die Kleinen noch nicht in einen Eimer brechen. Am Ende bedeutet diese Tatsache drei Körbe voll Wäsche.
Am nächsten Morgen dann die Erkenntnis, dass unsere Waschmaschine wohl defekt ist. OK, kann passieren. Aber ausgerechnet jetzt? Also muss Omma ran. Ich richte einen Wäscheexpress ein und ein erster Blick auf die Waschmaschine verrät mir, dass die Elektronik defekt ist und wir eine Neue brauchen. Später am Abend dann breitet sich die Magen-Darm-Infektion auf weitere Familienmitglieder aus. Ich töne noch rum: “Kann mich nicht erinnern, so etwas jemals gehabt zu haben. Bin wahrscheinlich resistent!” Der Füllgrad der Wäschekörbe ist tendenziell zunehmend. Ich bin nach wie vor glücklich, zwar etwas niedergeschlagen und erschöpft, wegen einer weiteren schlaflosen Nacht, aber so ist das halt mit kleinen Kindern.
Der Montag naht und das Frühprogramm steht bereits: Wäsche zu Oma, dann zum Elektrohändler neue Waschmaschine kaufen. Oppa lamentiert noch: “Da zahlste aber zuviel. Fahr’ besser nachem Saturn!” “Ist mir egal”, sage ich. “Wir brauchen schnellstens eine Waschmaschine, jemanden der sie anschließt und die Alte mitnimmt.” Bis 14 Uhr, sagt mir der Händler alles zu. Ich denke über ein Waschmaschinen-Cluster nach und überlege kurz zwei (Maschinen) zu ordern. Dann ab ins Büro. Mir ist den ganzen Tag über mulmig. Magendruck, Völlegefühl. Abends richte ich mich auf einen Pro7-Comedy-Dienstag ein, bin aber zu schlapp und versuche zu schlafen. Gegen Mitternacht hält mich nix mehr im Bett und die Keramikschüssel im Bad wird meine beste Freundin für die nächsten 5(!) Tage. Von wegen Immun! Ich bin todunglücklich und versuche mit einer selbstgemachten isotonischen Teemischung das Schlimmste zu verhindern.
Am nächsten Freitag die nächste Hiobsbotschaft: leichter Verkehrsunfall meiner Frau. Ist nix passiert, nur dem Spiegel. Na, ja rein materiell betrachtet liegen wir jetzt bei knapp 1100 Euro diese Woche, also Waschmaschine und Außenspiegel. Ich versuche gegen das Unglücklichkeitsgefühl mit sachlichen Argumenten anzugehen: Es geht ja allen gut soweit. Doch dann kommt eines der Kinder mit – im Nachhinein unbegründeten – Verdacht auf Kopfläuse sowie Bindehautentzündung nach Hause und in mir bekommt die seit Tagen mitschwingende Erkältung langsam Oberwasser. Sie wächst sich in eine sehr prächtige Nebenhöhlenentzündung und eine ausgewachsene Bronchitis aus. Die Atembeschwerden und der Husten beklemmen mich. Ich bin nun ausdrücklich unglücklich und sorge mich. Zumal der Arzt mir Bettruhe verordnet hat, mit der einer wie ich, der ständig in Bewegung sein muss, ganz und gar nicht zu recht kommt. “Der twittert nicht einmal.”, sagt meine Frau jedem bei jeder Gelegenheit.
Nach etwas mehr als einer Woche und Bettruhe kehren heute die Lebensgeister zurück, die Energie, der Flow. Das Wetter spielt mit und ich träume von der Arbeit, die ich ab morgen endlich wieder machen darf und vielleicht geht ja sogar bald wieder Sport. Ich bin ein glücklicher Mensch, denn am Ende wird ja immer alles wieder gut. Meistens. (2012.03.21)
