Es gibt Geschichten, die passieren dir nur hier im Ruhrgebiet. Neulich war ich auf dem Gelände mit einem Kollegen unterwegs. Wir waren im Begriff eine Hausmesse und ein Sommerfest für unsere Firma zu konzipieren. Stattfinden sollte das ganze in einem Theater bei uns auf dem Campus. Es war ein schöner Tag im Sommer. Später Vormittag würde ich sagen. Mittagspause. Und schon ganz schön warm. Wir redeten über Ideen und Möglichkeiten, als wir am Theater vorbei kamen. Normalerweise finden dort Revuen und Travestieshows statt. Und auch eine dieser After-Fußball-Spiel-Shows werden von dort aus übertragen. Jedenfalls stehen die Türen auf, als wir vorbei kommen. Wir mussten uns ohnehin noch mit den Örtlichkeiten vertraut machen und dachten: wenn offen ist, können wir uns auch kurz mal ein Bild machen. Als wir das Theater betreten, läuft leise Musik. Es ist relativ dunkel. ein wenig Licht liefert der Sommertag durch das offene Portal. Es ist jedenfalls genug, um einigermaßen den Raum, die Bühne und eine Theke bzw. Bar zu erfassen. Im Gedanken an den großen Eddie Murphy brülle ich: „Theateraufsicht! Ausweise bitte!“ Nach einer gefühlten kleinen Ewigkeit, erwidert eine leise, unsichere Stimme etwas bedröppelt: „Echt getz? Achduscheiße! Nä, odda, komm!?“ – „Nee, wir sind nicht vonna Theateraufsicht, wir machen hier bald ’ne Hausmesse und ein Sommerfest und wollen uns ein Bild von dem Laden hier machen, damit wir besser planen können. Dürfen wir das?“ – „Macht doch watta wollt, ismirdochegal, ich habe eh‘ bald kein Job mehr!“ Jetzt wurde die Sache interessant. Torsten, mein Kollege, ein Kerl wie ein Baum, aber feinfühlig wie kein anderer sagte daraufhin: „Ey Alter, bleib mal locker. So schlimm wird das schon nicht. Können wir Dir irgendwie helfen?“ Wir gehen an die Bar, weil wir die Stimme dort lokalisiert haben. Als wir sie erreichen, können wir dahinter schemenhaft einen kleinen Mann erkennen. Vielleicht einssiebzig. Dunkles Haar, etwas dünn schon. Geschätzt so um die vierzig. Oberlippenbart. Total hacke, wie ich annehme. „Ich bin der ‚Da Vinci‘.“ – Ich so:“Echt jetzt? Das ist Torsten, ich bin Mark.“ Wir geben uns über die Theke die Hand. „Wollta auch wat trinken?“, fragt Da Vinci. Wir nicken. Ein Fehler? Vielleicht. Er holt zwei dieser großen 350ml Caipi-Gläser raus, macht eine neue Flasche Havana Club auf und gießt ein. Als die Gläser dreiviertelvoll sind frage ich: „Da Vinci, willste da nicht mal O-Saft beischütten?“ Da Vinci füllt das restliche Viertel mit O-Saft auf und beginnt zu erzählen. Er fragt: „Kennta den Strohmann, dem gehört dat alles hier. Auch das Theater in Herne gehört dem – der will mich rausschmeißen.“ – „Warum will der Dich rausschmeißen? Man schmeißt keinen so einfach raus.“ Jedenfalls erzählt uns Da Vinci alles. Er ist der „Technik-Zauberer“ im Theater, der alles hat. Alle Geräte, die man sich vorstellen kann. Alle Arten von Licht, Vertärker, sogar einen Moog-Synthie. Die Geräte haben jedenfalls offenbar keine Zulassung mehr, weil sich Gesetze geändert haben. Er kommt vom Hölzchen auf’s Stöckchen. Gießt nochmal nach. Da wir nicht ewig bleiben können, trinken wir relativ zügig. Als Da Vinci nochmal nachschenken will, verneinen wir dankend. Dann kommt noch die ganze Geschichte, wie er ans Theater gekommen ist und wen er alles kennt. Das waren ganz schön viele. Warum das immer als Kleinkunst bezeichnet wird ist noch eine Frage, die ich auf der Zunge habe – ich vergesse sie zu stellen. Alle diese Leute, von denen er erzählt, sind echt bekannt heute. Irgendwann, nachdem jeder von uns mindestens ein großes Glas Havana Club weg hat und Da Vinci bestimmt noch mehr, verabschieden wir uns. Ich merke den Rum mehr als deutlich. Ich bin leicht angetrunken. Darfst du auch keinem erzählen. Beim Rausgehen ruft uns Da Vinci noch hinterher: „War schön mit Euch, wird bestimmt auch nicht so schlimm. Ihr seid bestimmt doch vonne Theateraufsicht und habt mich nur verarscht!“ – Wir gehen amüsiert, und ich meine auch leicht schwankend, wieder an die Arbeit.
Kategorie: Kein Fake
Gerade eben beim Bäcker
Verkäuferin (hat ein zuviel abgerechnetes Brötchen im Bon entdeckt): „Jaaanineee, rechne mal 14,22 minus 1,14!“
Ich: „13,08!?“
Verkäuferin: „Moment!“
Janine (aus dem Off): „13,10“
Verkäuferin: „13,10“
Ich so: „äh…..“
(2014.06.01)
Telefon-Akquise. Und warum das ganz lustig sein kann.
Hotline: „Darf ich Ihnen kostenlos zwei Exemplare der Top Agrar und der Landwirtschaftswoche zusenden?“
Ich: “ Auf gar keinen Fall!“
Hotline: „Warum nicht? Was ist der Grund?“
Ich: „Ich bin kein Landwirt!“
Hotline: „Darf ich fragen, was Sie beruflich machen?“
Ich: „Klar.“
Hotline: „Was machen Sie beruflich?“
Ich: „Ich bin Raketenwissenschaftler! Mehr darf ich nicht sagen!“
Hotline: „Ach so. Oh, dafür habe ich gar keine Kategorie!“
Ich: „Haben Sie Sonstiges, mit Freitext?“
Hotline: „Oh, ja. Danke! Einfach Raketenwissenschaftler?“
Ich: „Ja, wie man spricht!“
Hotline: „Danke.“
Ich: „Bitte. Wiederhören!“
Hotline: „Wiederhören!“
(2014.04.12)
