Ronaldo da Vinci

Die Sache mit Ronaldo da Vinci ging so: In unserer Kapuzinerkresse fühlen sich die Kohlweißlinge sehr wohl. Die Kinder nehmen jeden Herbst die letzten Raupen mit ein paar Blättern, um sie in Marmeladengläsern überwintern zu lassen und ihnen die Gelegenheit zu geben sich komfortabel zu verpuppen. Normalerweise schlüpfen die neuen Schmetterlinge im Frühling. Diesesmal ist erst Januar und es ist noch sehr kalt. Da die Kohlweißlinge nur ca. 2 Monate leben, versuchen wir ihn mit Zuckersirup bis Anfang März durchzubringen, vielleicht hat er (es ist ein Männchen) noch die Gelegenheit, sich dann erfolgreich fortzupflanzen. Wir lernen dabei jeden Tag mehr. #Abenteuer #Adventure #Kohlweißling http://www.tierlexikon.ch/index.php/tierlexikon/375-kohlweissling

(2017.02.03)

Telefon-Akquise. Und warum das ganz lustig sein kann.

Hotline: „Darf ich Ihnen kostenlos zwei Exemplare der Top Agrar und der Landwirtschaftswoche zusenden?“ 
Ich: “ Auf gar keinen Fall!“ 
Hotline: „Warum nicht? Was ist der Grund?“ 
Ich: „Ich bin kein Landwirt!“ 
Hotline: „Darf ich fragen, was Sie beruflich machen?“ 
Ich: „Klar.“ 
Hotline: „Was machen Sie beruflich?“ 
Ich: „Ich bin Raketenwissenschaftler! Mehr darf ich nicht sagen!“ 
Hotline: „Ach so. Oh, dafür habe ich gar keine Kategorie!“ 
Ich: „Haben Sie Sonstiges, mit Freitext?“ 
Hotline: „Oh, ja. Danke! Einfach Raketenwissenschaftler?“ 
Ich: „Ja, wie man spricht!“ 
Hotline: „Danke.“ 
Ich: „Bitte. Wiederhören!“ 
Hotline: „Wiederhören!“

(2014.04.12)

Die Sache mit Francis und Rick, letzte Nacht.

Ich sitze allein an einer Schulbank in einer kleineren Konzerthalle. Vor mir eine kleine Bühne aus Holz. Darauf die Reste eines Kasperletheaters. Für heute Abend angekündigt sind Status Quo, oder vielmehr die verbliebenen Reste der Gründungsbesetzung. Eigentlich wollen sie nicht spielen, sagt der Manager. Sie wollen mir und irgendwelchen anderen Leuten nur das Showbiz erklären. Irgendwie bin ich plötzlich doch ein wenig nervös, sind Rick Parfitt und Francis Rossi doch die Helden meiner Zeit in den späten Siebzigern. Das war damals, als ich von der Grundschule auf die Realschule wechselte. Rick nimmt neben mir Platz, wieso weiß ich nicht. Das er deutsch kann weiß ich noch, weil er ja mal mit einer Deutschen verheiratet war – das muss so um 1978 gewesen sein. Ich erzähle ihm, dass ich sogar mal ein Hochzeitsfoto von damals bei einer Mitschülerin gesehen habe und mächtig beeindruckt war. Wir labern über die guten alten Zeiten und das legendäre Konzert 1976, aus dem Apollo in Glasgow. Eins kam zum anderen und ich kann ihn überreden zusammen mit Francis doch noch den einen oder anderen Klassiker zum Besten zu geben. Plötzlich bringt ein wenigstens siebzig Jahre alter Roady zwei Gitarren rein und erklärt mir ohne dass ich gefragt habe die Situation. Die andern Musiker haben keinen Bock zu spielen, Schlagzeug und Bass macht General Midi (General Midi ist der quasi Standard um Musik für Computer beschreibbar zu machen – wird also dazu gemischt). Ich oute meine Textsicherheit durch mein lautes Mitsingen und werde auf die Bühne gebeten. Als Francis gerade sein Riff für Rain startet mischt sich Kindergeschrei dazu. Ich schaue böse zum Mischer…doch das Geschrei ist mein Sohn und mir wird schnell klar: alles ist leider nur geträumt. Die Sache mit Francis und Rick letzte Nacht. (2012.08.14)

Das Gute liegt so nah

Es ist schon viel über das Koepchenwerk geschrieben worden. Technisch. Historisch. Aber nachbarschaftlich, glaub ich, noch nicht. Nachbarschaftlich liegt es von zu Hause aus in Sichtweite. Von unseren Büros aber auch. Wir sehen es tagtäglich und nehmen es kaum mehr war. Dabei steckt es wirklich voller Superlative, an die man niemals denken würde, wenn man am Südufer des Hengsteysees entlang spaziert und es es auf Herdecker Seite in voller Pracht zu Gesicht bekommt. Die breitgestreckte Maschinenhalle, darüber die Saug- und Fallrohre – mit dieser Patina aus Rost, die mir besser gefällt, als das gepflegte strommastengrün. Darüber die gigantomanischen Lettern: RWE. Bei mir schindet das Eindruck. Mal ist der Hengsteysee einige Zentimeter tiefer, dann surren die Leitungen und das Wasser steigt wieder auf Normalhöhe. Immer nach Bedarf. Es ist schließlich ein Pumpspeicherkraftwerk, eine Batterie für Wechselstrom. Sauber. Solange ich denken kann habe ich den Wunsch, da mal rein zu können, mal sehen wie das genau funktioniert. Früher, so in den Achtziger Jahren hatte ich mal gehört, dass man bei entsprechender Gruppengröße eine Besichtigung organisieren könne. Dann hat der RWE es viele Jahre nur einer Ingenieurselite angeboten und seit kurzem darf es jeder. Nach Anmeldung und Rücksprache. Das ist Marketing. In der Vorbereitung auf den Termin war ich sehr nervös. Glaubte ich doch, die alte Zahnrad- oder Seilbahn neben den alten, rostigen Röhren würde einen in die luftigen Höhen des Ardeygebirges hiefen, zum Speicherecken. 160 Meter. Nein. Unter Denkmalschutz ja, aber nicht mehr sicher. Dafür bekommen wir zur Begrüßung Helme und Schutzbrillen. Oje, was kommt denn jetzt? Halb so wild, kompetente Leute erklären dem Mausfan, wie der Strom gemacht wird. Im Schulungsraum. Richtig gut. Unter der alten Maschinenhalle. Mit Modellen und guter Powerpointpräsentation. Da bekommen wir auch erklärt, dass früher vier Turbinen und vier Generatoren für weniger Leistung gebraucht wurden, und das eine Turbine das Opfer der Kavitation wurde. Heute gibt es nur noch eine Turbine, eine Pumpe, ein Rohr und einen Generator. Und mehr Leistung.

Als wir bei der Führung auf der Hälfte bei der Durchquerung des Neubaus sind, bekomme ich weiche Knie. Der Guide sagte zwar das sei ein Loch, das zehn Stockwerke tief sei, so 40 Meter tiefer als das See-Niveau, aber vorstellen kann man sich das da noch nicht. Mir wird mulmig und ich versuche durch die Betrachtung des Monitors meines iPhones und der permanenten Betätigung des Kameraauslösers Distanz aufzubauen. Es klappt. Die Neugier wird so groß, dass ich Höhen- und Tiefenangst vergesse, mit dem Fahrstuhl die 10 Stockwerke herab fahre und mir den größten Kugelschieber der Welt, mit ca. 150 Tonnen Gewicht, anschaue. Ich denke, wenn ich jemals wieder einen Amerikaner treffe, der mich zum “Schwanzvergleich” herausfordert, indem er mir sagt, was in den Staaten größer, länger, breiter ist, kenne ich jetzt meine Antwort. Die zehnstockwerkige Notreppe beunruhigt mich dann doch. Der Wunsch des Guides, dass jetzt Spitzenlast im Stromnetz das Signal gibt, dass der Ingenieur in der Steuerwarte den Schieber öffnet, dass 110qm Wasser pro Sekunde durch das Omnibus-große Fallrohr strömen, dass man Vibrationen spürt, aber es nicht wesentlich lauter wird, bleiben uns verwehrt. Ich bin dann auch froh, wieder über der Wasserlinie zu sein und denke: das Gute liegt so nah. (2012.08.11)