Ich komme aus dem Meeting zurück in mein Büro. Irgendwas ist anders. Vor meinem Flatscreen an der Wand steht plötzlich auf einem Gitarren-Verstärker Half-Stack eine große beschriftete Schultafel. Ein mit weißer Kreide geschriebener Satz wurde nochmals mit roter Kreide nachgezeichnet. „Verlassen Sie die Dinge, bevor sie Sie verlassen!“ stand dort zwischen anderen Sätzen, viel kleiner, in der Anmutung eines Kommentars. Irgendwas kommt mir hier gehörig komisch vor. Die Zeit drängt, die nächste Sitzung hat bereits begonnen. Ich beeile mich, um dort hin zu gelangen – die anderen warten bestimmt schon. Nach der Sitzung komme ich zurück in mein Büro. Zerrissene Kartons, alte Wandfarbe, Metallstangen überall und chaotisch im Büro verteilt. Ich bin ein ordnungsliebender Mensch. Der Schreibtisch steht leicht schief. Die Gegenstände befinden sich nicht dort, wo ich sie hingestellt hatte. Es scheint so, als hätte jemand alle meine Sachen angefasst, vielleicht angeschaut, obduziert. Jemand will wissen, wer ich bin, so scheint es. Ich beschließe zu warten. Diesen Jemand zur Rede zu stellen. Fertig machen werde ich den, denke ich. Was fällt dem ein. Ich warte wie ein Schüler, der vor dem Klassenraum Schmiere steht. Ich sehe, wie eine Gestalt, ein Mann, das Treppenhaus vor dem Büro hinaufgestiegen kommt. Einen weißen Eimer in der linken Hand, einen schwarzen Pilotenkoffer in der Rechten. Der Mann ist sehr groß, ich schätze zwei Meter. Er trägt weiße Gummistiefel. In den Stiefeln eine Breit Cord-Hose. Ein weißes Hemd, darüber ein ockerfarbenes Tweetsakko mit feinem braunem Karomuster. Schwarze Haare, rundliches Gesicht. Goldene Pilotenbrille mit dicken Gläsern. Der weiße Kunststoffeimer ist halbvoll mit frischem Blut. Die Hände des Mannes blutverschmiert. Und auch die Kinnpartie blutverschmiert. Es scheint so als hätte er sich während seiner Arbeit ständig mit den blutigen Händen ans Kinn gefasst, um zu überlegen. „Sie verlassen sofort Ihr Büro!“ Ich bin sprachlos, gegen diese Macht und Skrupellosigkeit, die von diesem Mann ausgeht. „Darf ich mein Laptop und meine persönlichen Gegenstände kurz in diesen Karton dort legen. Die Bilder meiner Familie, meiner Kinder würde ich auch gerne mitnehmen!“ Er wirkt völlig beschäftigt. Kramt hier und dort. Legt meine Sachen von Rechts nach Links. Wischt persönliche Dinge von mir einfach auf den Boden. Er schaut mich nicht einmal an, als er sagt: “Sie sollten jetzt einfach so schnell wie möglich gehen.“ Ich überlege kurz. Wäge ab. Brauche ich irgendetwas aus dem Büro für mein weiteres Leben? Die Antwort ist nein. Ich renne so schnell ich kann fort. Während ich laufe beschließe ich aufzuwachen. (2014.04.06)
Kategorie: traum
Die Sache mit Francis und Rick, letzte Nacht.
Ich sitze allein an einer Schulbank in einer kleineren Konzerthalle. Vor mir eine kleine Bühne aus Holz. Darauf die Reste eines Kasperletheaters. Für heute Abend angekündigt sind Status Quo, oder vielmehr die verbliebenen Reste der Gründungsbesetzung. Eigentlich wollen sie nicht spielen, sagt der Manager. Sie wollen mir und irgendwelchen anderen Leuten nur das Showbiz erklären. Irgendwie bin ich plötzlich doch ein wenig nervös, sind Rick Parfitt und Francis Rossi doch die Helden meiner Zeit in den späten Siebzigern. Das war damals, als ich von der Grundschule auf die Realschule wechselte. Rick nimmt neben mir Platz, wieso weiß ich nicht. Das er deutsch kann weiß ich noch, weil er ja mal mit einer Deutschen verheiratet war – das muss so um 1978 gewesen sein. Ich erzähle ihm, dass ich sogar mal ein Hochzeitsfoto von damals bei einer Mitschülerin gesehen habe und mächtig beeindruckt war. Wir labern über die guten alten Zeiten und das legendäre Konzert 1976, aus dem Apollo in Glasgow. Eins kam zum anderen und ich kann ihn überreden zusammen mit Francis doch noch den einen oder anderen Klassiker zum Besten zu geben. Plötzlich bringt ein wenigstens siebzig Jahre alter Roady zwei Gitarren rein und erklärt mir ohne dass ich gefragt habe die Situation. Die andern Musiker haben keinen Bock zu spielen, Schlagzeug und Bass macht General Midi (General Midi ist der quasi Standard um Musik für Computer beschreibbar zu machen – wird also dazu gemischt). Ich oute meine Textsicherheit durch mein lautes Mitsingen und werde auf die Bühne gebeten. Als Francis gerade sein Riff für Rain startet mischt sich Kindergeschrei dazu. Ich schaue böse zum Mischer…doch das Geschrei ist mein Sohn und mir wird schnell klar: alles ist leider nur geträumt. Die Sache mit Francis und Rick letzte Nacht. (2012.08.14)
