Für gewöhnlich finden sich am Bahnhof Fehmarn, Burg an einem Werktag nachmittags nur ein paar der üblichen Verdächtigen ein, um sich in der Wartehalle zu treffen. Selbst Bahnhof wäre zu viel gesagt. Ein Gleis, daneben eine Wartehalle, ein Fahrkartenautomat, kein Bahnpersonal. Um so mehr fällt dann einem guten Beobachter, für den ich mich halte, ein Mann mit einem abgewetzten ledernen Pilotenkoffer und einer kleinen handlichen grünen Tasche auf. Wir kommen ins Gespräch. Er fragt nach meinem Ziel. Ich erkläre, dass das ziemlich weit sei, so rund 500 Kilometer und ca. 6 Stunden in Anspruch nähme. Dabei mustere ich ihn genauer und mir fällt seine goldene Ray Ban Brille auf. Lachend sagt er, er ist auf die Pünktlichkeit des Zuges angewiesen, denn er müsse noch einen Flieger erreichen. Also: Mein Haus, Mein Auto, Mein Boot hatten wir! Das war auch dann der Punkt, wo ich eins und eins zusammen hatte. Ich deutete auf sein leichtes Gepäck und sagte, er solle jetzt bloß nicht sagen er sei Pilot. Aber genau das wurde bestätigt. Wir waren uns wohl sympathisch und quatschten weiter. Wir hatten in diesem Moment auf dem kleinen Bahnhof Fehmarn, Burg eine ähnliche Ausgangssituation. Beide reisten wir ab, um unseren Jobs nachzugehen und beide ließen wir Frauen und Kinder auf Fehmarn zurück. Als der Zug einfuhr, wollte ich nicht auf meine First Class verzichten, er hatte Zweite – ausreichend bis Hamburg. Dafür flog er mit anderen Fluglinien, also nicht Cathay Pacific, für ein paar Euro – das machen die so untereinander – dorthin, wo er als Pilot flying oder Co-Pilot einen Einsatz hatte. Ich erfuhr auch, dass Cathay sich gegen den A380 von Airbus entschied. Er selbst flog Boing. Ich nehme an B747 oder B777, weil Cathay ausschließlich “long distance” bedient. Was ich allerdings bemerkenswert finde, ist die Tatsache, das Cathay sehr viele Piloten aus Deutschland und Skandinavien beschäftigt – wegen der guten Ausbildung. Am Rande erwähnt sei, dass Cathay Pacific quasi alles anfliegt, von Hong Kong bis Los Angeles, Australien und Neuseeland – das ist da wo man rauskommt, wenn man von hier ein ganz tiefes Loch gräbt. Und extrem Faszinierend ist, dass er vom Hawaii des Nordens, wie viele Fehmarn nennen, in das echte Hawaii wechselt, einfach so. Und offen bleibt mir Flugangsthasen die Frage, wie klein für den Piloten von Cathay Pacific die Welt sein mag, die für mich so unvorstellbar groß erscheint. (2012.05.01)
